Krampfadern – Das geschädigte Venensystem

Häufig tritt die Klappenschädigung und Bildung eines „Privatkreislaufs“ schon in der Mitte des 2. Lebensjahrzehnts auf, es dauert jedoch unterschiedlich lange Zeit bis der Patient auch Symptome erlebt, die ihn schließlich zu einem Arzt führen.
Häufig genannte Symptome sind eine Schwellneigung der Füße und Unterschenkel, ein Spannungsgefühl in den Beinen nach langem Sitzen bis hin zu Kribbelgefühlen und Schmerzen in den Beinen.

Bilden sich an der Innenseite der Füße kleine geschlängelte bläuliche Venen, spricht man von einem „Chronischen Venösen Stauungssyndrom“, das auch zu einer zunehmenden Braunverfärbung der Haut im Bereich oberhalb der Sprunggelenke führen kann. Bei Fortbestehen der Venenstauung kann die Haut immer schlechter mit Sauerstoff versorgt werden und sie wird leicht verletzbar.

Weiterhin treten weißliche Areale an der Haut auf, die äußerst schmerzhaft sein können („Atrophie blanche“) und schließlich bildet sich ein „offenes Bein“. Medizinisch wird dies als „Ulcus cruris“ bezeichnet, eine chronische Wunde am Unterschenkel, die eine sehr schlechte Abheilungstendenz hat.

Auch Venenenzündungen mit evtl. folgender Thrombose sind eine typische und häufige Komplikation von Krampfadern.

Die Schädigung des Venensystems der Stammvenen wird nach Prof. Hach in verschiedene Schweregrade eingeteilt.
Für die große Stammvene (Vena saphena magna) gelten vier Schweregrade.
Für den Schweregrad der Schädigung der kleinen Stammvene (Vena saphena parva) gelten drei Stadien.

Die Behandlung der geschädigten Stammvenen richtet sich nach den Beschwerden des Patienten und nach dem Schweregrad der Schädigung. Man spricht auch von einer „stadiengerechten“ Behandlung.
Häufig berichten Patienten von keinerlei Beschwerden, trotz ausgeprägter sichtbarer Krampfader-Schlängelung und einer Schädigung der großen Stammvenen. Dies liegt an einem „Gewöhnungseffekt“, da die Erkrankung der Venen schon sehr lange besteht.
Es sollte in dieser Situation auf jeden Fall eine operative Sanierung diskutiert werden, da in einer gestauten Vene leicht Entzündungen auftreten können und sich die Gefahr einer Thrombosebildung mit all ihren Konsequenzen bis hin zur Lungenembolie deutlich erhöht.
Zusätzliche Informationen über das Ausmaß der Funktionsstörung der Venen bringen neben der Ultraschalluntersuchung (Farbduplex-Sonographie) auch funktionelle Untersuchungsverfahren wie z. B. die digitale Photoplethysmographie oder Lichtreflexrheographie, deren Ergebnisse ebenfalls bei einer Entscheidung zur Operation berücksichtigt werden.

Das funktionsfähige Venensystem

Die Venen führen das sauerstoffarme Blut aus dem Gewebe zurück zum Herz. Von dort wird es in die Lunge geleitet, mit Sauerstoff angereichert und erneut vom Herz durch die Arterien in das Gewebe gepumpt.
Man unterscheidet an den Beinen ein tiefes Venensystem (Venen, die Blut aus den Muskeln sammeln und in der Tiefe zwischen den Muskeln 80 % des Blutvolumens transportieren) und ein oberflächliches Venensystem, das Blut aus der Haut und den oberflächlichen Muskelregionen transportiert (20 % des Blutvolumens).

Um den Blutfluss von den Beinen in Richtung Herz auch gegen die Schwerkraft zu ermöglichen, besitzen die Venen Klappen, die wie ein Ventil funktionieren: Das Blut fließt durch die geöffnete Klappe herzwärts, sackt es zurück, schließt sich die Klappe und der Rückstrom wird gestoppt. Durch den Herzschlag und die Bewegung der Beinmuskeln wird das Blut wieder vorwärtsgetrieben, die Klappe öffnet sich, usw.

Zwei Venen an den Beinen spielen eine herausragende Rolle in Hinblick auf Blutabtransport und Bildung von Krampfadern: Die große Stammvene (Vena saphena magna) an der Innenseite des Oberschenkels und die kleine Stammvene (Vena saphena parva) an der Rückseite des Unterschenkels. Sie nehmen bis zu 20 % des Blutvolumens der Beine auf und führen es an ihren Mündungspunkten (große Stammvene: Leiste, kleine Stammvene: Kniekehle) in die tiefen Leitvenen ab.

Treten Schädigungen im Klappenapparat dieser Venen auf, bilden sich die typischen Venenschlängelungen, die z.T. bläulich oder violett in der Haut schimmern und als „Krampfadern“ bezeichnet werden.

Der Begriff „Krampfadern“ hat sich wohl aus dem althochdeutschen Wort „chrampf“ entwickelt, was krumm bedeutet. Es ist möglich, dass im 16. Jahrhundert erst daraus der Begriff Krampfader entstanden ist.

Krampfadern können aber auch in der Tat zu nächtlichen Beinkrämpfen führen:
Die Stauung in den Beinvenen zieht immer auch eine Stauung von Flüssigkeit im umliegenden Gewebe nach sich. Nachts im Liegen wird gestaute Flüssigkeit wieder in die Venen abgegeben und kann so zu einer Veränderung von Elektrolyt-Konzentrationen im Blut führen, die Muskelkrämpfe hervorrufen.